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Warum ist Medienkompetenz so schwer zu vermitteln? – Weil sie überflüssig ist!

by Wromey on 21. Oktober 2013, no comments

Das medienkompetente Lehrpersonen damit unzufrieden sind, daß SchülerInnen oder auch Erwachsene die digitalen Geräte und Dienste nicht so nutzen, wie sie es für nötig halten, ist nicht ungewöhnlich. Der Sportlehrer vermißt die Begeisterung für Sport, der Geschichtslehrer die für Geschichte, … Wenn man hinschaut, eigenen sich die SchülerInnen den Umgang mit der digitalen Technik sehr schnell und sicher an, wenn sie es denn wollen. Daß sie dann nicht das mit den Geräten machen, was die medienkompetenten Lehrpersonen für nötig halten, ist selbstverständlich.

Daß die Wirtschaft klagt ist seit langer Zeit üblich. Was fehlt, ist dann immer etwas anderes und immer ist der Wirtschaftsstandort Deutschland oder gar das Abendland gefährdet. Die Realität spricht eine andere Sprache. Wenn diese Kompetenzen so wichtig wären, warum bildet die Wirtschaft dann nicht entsprechend aus oder fort und weiter? Weil man sich das lieber vom Staat bezahlen lassen will, damit der Reichtum der oberen 10% nicht u.U. etwas weniger schnell explodiert? – Zudem gibt immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse, in denen man Medienkompetenz nun wirklich nicht an erster Stelle braucht. Wenn man sich anschaut, auf welch unterschiedlichem Niveau digitale Technik in den Betrieben genutzt wird, ist auch da kein Defizit vorhanden. Die Wirtschaft hätte es natürlich am liebsten, wenn die Schülerinnen schon die Erfahrung von mindestens 5 Jahren Berufstätigkeit mitbrächten.

Also kein Handlungsbedarf? Doch. Den SchülerInnen und einem großen Teil der Lehrpersonen erscheint Medienkompetenz überflüssig, weil sie in Schule keinen Wert hat. Wert zeigt sich nämlich daran, was wie überprüft wird. Meine hohe Medienkompetenz nützt mir gar nichts, wenn sie nicht z.B. im Abitur zu besseren Ergebnissen führt. Da werden aber lieber ausgetüffelte Maßnahmen ergriffen, damit bloß kein Smartphone genutzt werden kann, statt nach sinnvollen Einsatzmöglichkeiten in der Prüfung zu suchen.
Nötig wäre, daß Überprüfungsverfahren angewendet würden, bei denen man zeigen kann, daß man die digitalen Werkzeuge souverän und kreativ anwenden kann. Wo gibt es sie, wo werden sie entwickelt?
Das Problem scheint mir aber, daß sich dann Lehrpersonen und insbesondere die Bildungsadministration von überkommenen Überprüfungsverfahren verabschieden müßten. (Übrigens auch in der Lehrerausbildung). Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß da äußerst dicke Bretter zu bohren sind. Auch, weil man wohl intensiv über die Verfahren der Leistungsbewertung nachdenken müßte. Aber ohne Überprüfungsverfahren, die den digitalen Medien angemessen sind, wird Medienkompetenz nicht zu entwicklen sein.

Ein weiteres Hindernis ist die gegenwärtige Verfassung des Urheberrechts. Solange Lehrpersonen Unterrichtsmaterialien nicht ungehindert digital zur Verfügung stellen können, werden viele digitale Medien eben nicht einsetzen. Vielleicht tut sich durch OER da ja etwas. Solange SchülerInnen und Lehrpersonen Angst haben müssen, in Urherrechtsfallen zu laufen, wenn sie Materialien kreativ weiter entwickeln wollen, werden Sie zurückhaltend sein.
Unter Umständen ist auch eine Frage an die Inhalte und Aufgaben zu stellen. Die gleichen Aufgaben wie bisher mit digitalen Medien zu bearbeiten, ist sicher nicht beonders attraktiv, auch wenn man ein wenig im Internet suchen darf/soll. In der Prüfung geht aber auch das wieder nicht. Es gilt, Aufgaben zu finden, in denen man die kreativen Möglichkeiten der digialen Werkzeuge ausschöpfen kann; und dann muß man Verfahren finden, sie angemessen zu bewerten und die erworbenen Kompetenzen angemessen zu überprüfen.

Ein weiteres Hindernis ist für mich ein oftmals verkürztes Veständnis von Medienkompetenz. Medienkompetenz habe ich erst, wenn ich in der Lage bin meinen Umgang mit digitalen Werkzeugen und Diensten zu reflektieren und mein Handel den Ergebnissen entsprechend zu verändern. Z.B. sollte ich mich fragen, wie die Herstellungsbedingungen von Hardware sind, welche Hard- und Software meine Selbstbestimmung fördert oder einschränkt, welche Datenformate nicht verwendet werden dürfen, wenn die Langzeitarchivierung von digital erzeugten Kulturgütern nicht behindert werden soll, warum die Warenform von Software erzwungen werden muß, … Die Fragen könnte ich noch umfangreich fortsetzen, dies vielleicht in weiteren Beiträgen.

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