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was man hier tun kann

Zentrale und verteilte soziale Netzwerke

by Wromey on 15. Januar 2016, no comments

Zentralisierte soziale Netzwerke

Eigenschaften

Beispiele für zentralisierte soziale Netzwerke sind facebook, twitter, flickr und youtube. Wie die Grafik zeigt, ist alle diesen Netzwerken ist gemeinsam, dass alle Nutzer auf einem zentralen Server angemeldet sind und auf dem dort angelegten ihre Daten ablegen und ihre Aktivitäten abwickeln.

soziale_netzwerke_1

Dass der Anbieter des sozialen Netzwerk nur einen zentralen Server verwendet, hat seinen Grund im Geschäftsmodell des Anbieters. Das Geschäftsmodell dieser Netzwerke ist nicht, dem Nutzer Funktionalität anzubieten. Geschäftsmodell ist vielmehr, aus den Aktivitäten der Nutzer und den von ihnen auf den Server geladenen Inhalten möglichst viele Daten abzuleiten und diese Daten insbesondere für personalisierte Werbung zu verkaufen. Aus den Daten werden also Waren. Dass das Geschäftsmodell erfolgreich sein kann, belegen die Gewinne von facebook oder google. Twitter tut sich da noch etwas schwer. Die Nutzer leisten also unentgeltlich Arbeit, aus deren Ergebnisse Waren erzeugt werden, für die Betreiber der sozialen Netzwerke und erhalten als Ausgleich die Möglichkeit, die Funktionen der sozialen Netzwerke zu nutzen. Dieses Geschäftsmodell funktioniert am unaufwändigsten mit einer zentralisierten Struktur, die allerdings den Nachteil hat, ein sehr attraktives Ziel für Angriffe oder Überwachung zu sein. Es ist also nicht überraschend, dass immer wieder Millionen von Daten aus diesen zentralisierten Strukturen abgegriffen werden. Ein weiterer Nachteil ist, dass nur der Betreiber darüber entscheidet, ob das Angebot fortgesetzt wird. Bringt es oder eine Teilfunktion nicht den erwarteten Gewinn, kann es (ohne Vorwarnung) eingestellt werden und die Daten der Nutzer sind in der Regel verloren.

Ein soziales Netzwerk ist umso attraktiver und erfolgreicher, je mehr Nutzer es hat. Je größer das Netzwerk ist, desto schwieriger oder unangenehmer wird es für den Nutzer, das Netzwerk zu verlassen: „Alle meine Freunde und Bekannte sind doch dort!“. Beispiele belegen allerdings, dass man sich nicht darauf verlassen sollte. Spricht noch jemand von MySpace, SchülerVZ oder StudiVZ? Der nächste Hype kann dazu führen, dass das genutzte soziale Netzwerk in kurzer Zeit zusammen bricht.

Bei den verteilten sozialen Netzwerken ist man in dieser Hinsicht wesentlich besser geschützt.

Verteilte soziale Netzwerke

Eigenschaften

Geschützt vor dem Zusammenbruch ist man allerdings nur, wenn eine Nutzerzahl zusammen kommt, die es für die Betreiber lohnend macht, dass Netzwerk zu betreiben. Worin der Lohn für die Betreiber besteht, ist unterschiedlich. Er ist fast nie finanziell, oft werden noch nicht einmal die für den Betreiber entstehenden Kosten gedeckt, sondern meist ideell. Der Betreiber will die Selbstbestimmung, die Meinungsfreiheit, ein freies Internet oder … fördern.
Verteilt sind die Netzwerke, weil sie, wie die zweite Grafik zeigt, aus mehreren Server aufgebaut sind und sich die Nutzer möglichst gleichmäßig über die Server verteilen.

Die Software, mit denen diese Server betrieben werden, ist in der Regel Freie Software. Jeder kann sie nutzen und einen eigenen Server betreiben oder aufsetzen, wie es im Fachjargon heißt. Die Software kann, wie bei Freier Software üblich, von einer Gemeinschaft weiter entwickelt werden, die Prüfung, ob die Software auch nur die Funktionen ausführt, die angegeben werden, ist jederzeit möglich. Die Server sind in der Regel über mehrere Staaten verteilt, so dass man wählen kann, in welchem Rechtsraum man sich bewegen will.

Der entscheidende Punkt ist aber, dass die Server miteinander vernetzt sind und die Daten der Nutzer untereinander abgeglichen werden. Man kann wie bei facebook Nutzer also über das ganze Netzwerk suchen und ihren Aktivitäten folgen. Man kann aber z.B. auch einen Server einrichten, zu dem nur beispielsweise die Mitglieder eines Vereins Zugang haben und der in kein Netzwerk eingebunden ist. Der Abgleich zwischen den Servern ist allerdings eine sehr anspruchsvolle Programmieraufgabe, weshalb es nicht überraschend ist, dass noch mehr oder minder große Schwierigkeiten auftreten. Gegenwärtig ist man im Rahmen des W3C, das ist das Gremium, das das Internet weiter entwickelt, dabei, einen Standard für diese Funktionalität zu entwickeln, der dann auch den Austausch über verschiedene Netzwerke möglich machen soll.

Was sind die Vorteile für die Nutzer? Da das Netzwerk verteilt ist, gibt es keine zentralen Angriffspunkt für Überwachung und Datenabgriff. Der Nutzer behält die Hoheit über seine Daten, da die jeweiligen Betreiber sich in der Regel keine Nutzungsrechte an den Daten einräumen lassen. Er behält auch die Hoheit über seine Daten, weil er sie vom Server herunter laden kann, wenn er z.B. den Server verlassen, auf einen anderen Server oder in ein anderes Netzwerk umziehen will oder der Server seine Dienst einstellt. Der Nutzer kann also selbst bestimmen, wie und wo er ein soziales Netzwerk nutzen will.

Beispiele
Oftmals gibt es mehrere Angebote, die die gleiche oder eine ähnlich Funktion erfüllen. Die Auswahl sagt deshalb nichts über die Bedeutung und ist eher zufällig.

Eine Alternative zu facebook ist diaspora*: https://diasporafoundation.org/ Diaspora ist aus sogenannten pods aufgebaut. Wer sich anmelden möchte sollte, einen pod wählen, der schon über eine längere Zeit ohne Probleme läuft und eine mittlere Nutzerzahl hat. Man strukturiert seine Aktivitäten auf diaspora* über tags, also Stichworte, denen man folgt, oder sogenannte Aspekte. Aspekte kann man anlegen, z.B. den Aspekt „FreieSoftware“, und ihm Nutzer hinzufügen, die Beiträge zum Thema veröffentlichen. Es ist möglich, seine Beiträge nur zu diesem Aspekt zu veröffentlichen, so dass sie nur die diesem Aspekt zugeordneten Nutzer erreichen. Damit ist es also möglich, Gruppen zu bilden. – Es gibt eine gut funktionierende Android App.

GNUsocial ist die Alternative zu twitter: http://gnu.io/social/try/
Auch hier kann man Gruppen bilden und Stichwörtern folgen. Auch hier gibt es eine Android-App

Mediagoblin ist die entstehende Alternative zu youtube oder flickr: http://mediagoblin.org/ Bilder, Texte, Filme sollen verteilt darauf gesammelt werden und die Nutzer über Änderungen auch auf einem anderen Server informiert werden. Auch hier ist dies die komplexeste, schwieirigste Programmieraufgabe. Ein Beispiel findet sich unter https://goblinrefuge.com/mediagoblin/

Kontalk ist Alternative zu WhatsUp. Kontalk ist eine App für Android, mit der man Nachrichten Verschlüsselt (end to end encryption) austauschen kann. Das Adressbuch der Nutzer wird nicht ausgelesen, Nutzerdaten werden nur im Anmeldeprozess erfasst und dann gelöscht.

Es wäre möglich, noch viele Seiten mit unterschiedlichen Beispielen zu füllen. Das ist ein Nachteil verteilter sozialer Netze: sie sind unübersichtlich. Dies wird allerdings zukünftig keine große Rolle mehr spielen, wenn die gemeinsame Schnittstelle für verteilte soziale Netzwerke fertig gestellt ist und man über die Netzwerkgrenzen hin kommunizieren kann.

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