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Die vier Freiheiten Freier Software und ihr heutiger Inhalt

by Wromey on 29. Oktober 2015, no comments

Da Software in den lezten Jahren deutlich an Umfang und Verbreitung zugenommen hat und damit der normale Nutzer in der Regel nicht in der Lage ist, den Quellcode auch nur in Teilen zu studieren und zu verstehen, ist zu fragen, welchen Inhalt die vier Freiheiten Freier Software heute haben.

Bei der ersten Freiheit, der Freiheit die Software uneingeschränkt nutzen zu können, ist die Antwort einfach: Für die Nutzer Freier Sotware ist das tägliche Praxis. Selbstverständlich ist das aber nicht. Es gibt z.B. Software, die man nur mit bestehender Internet-Verbindung nutzen kann. Photoshop-Nutzer haben vor einiger Zeit leidvoll erfahren können, was es bedeutet, wenn man eine Deadline hat und der Photoshop-Server nicht erreichbar ist.

Auch bei der zweiten Freiheit, der Freiheit die Software uneingeschränkt vervielfältigen und weitergeben zu können ist die Antwort einfach. Auch dies ist alltägliche Praxis und belegt, daß man die Software besitzt und nicht nur Nutzungsrechte daran hat. Ein qualitativer Unterschied zu unfreier Software.

Wie sieht es aber bei den Freiheiten drei, der Freiheit Zugang zum Quellcode zu bekommen, und der Freiheit vier die Software beliebig verändern zu können, aus? Software ist inzwischen so umfangreich geworden, daß es selbst für erfahrene Software-Entwickler kaum mehr möglich ist, die Software vollständig zu studieren. Deshalb gibt es da, wo es notwendig ist, teure Untersuchung von Software z.B. im Hinblick auf Sicherheitslücken.
Haben also diese Freiheiten für den normalen Nutzer, insbesondere wenn er nicht programmieren kann, keinerlei Bedeutung? Doch! Die Bedeutung erschließt sich aber für den Nutzer erst, wenn ihm bekannt ist, wie Freie Software entwickelt wird. Dann wird deutlich, daß der Quellcode der Software bei der Entwicklung und Weiterentwicklung intensiv von den Entwicklern studiert werden kann und auch wird, da dies die Veraussetzung insbesondere für die Weiterentwicklung ist. Fehlfunktionen, geheime Funktionen und Sicherheitslücken können so entdeckt und behoben werden. In kritischen Fällen kann der Nutzer die Veränderung der Software sogar selbst veranlassen, muß dann allerdings auch die Ressourcen dafür bereit stellen.
Bei unfreier Software ist der Nutzer davon abhängig, daß der Hersteller Fehler und Sicherheitslücken behebt, wann er das will, und daß die Software keine geheimen Funktionen enthält. Überprüft werden kann das nicht.
Freie Software wird mindestens bei größeren Projekten in der Regel auch signiert, so daß der Nutzer sicher sein kann, daß er sie unverändert erhält.

Es geht also für den normalen Nutzer nicht (mehr) darum, die Software selbst studieren zu können. Die Freiheiten drei und vier erhalten ihren Wert für den Nutzer indirekt über den Entwicklungsprozeß Freier Software.
Leider ist die Kenntnis über diesen Prozeß aber wohl kaum verbreitet. Aus meiner Sicht gehört diese Kenntnis zu Informationstechnischer Grundbildung, die schon in der Schule vermittelt werden müßte, um zu einem aufgeklärten Umgang mit Digitaltechnik zu befähigen. Da es freie Programmiersysteme gibt, die schon für sehr junge Schülerinnen und Schüler geeignet sind, wäre das möglich und könnte dazu führen, daß je nach Profilierung z.B. Leistungskurse Informatik sich direkt an freien Software Projekten beteiligen.

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