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Eigenschaften von Software – Vorausetzung für Freie Software

by Wromey on 21. Oktober 2015, no comments

Vorbemerkung
Am Anfang der Entwicklung digitaler Rechner programmierten die Nutzer die jeweilige Maschine selbst. Der Programmtext (Quelltext) der Software war deshalb immer vorhanden, der Verwendungszweck war jeweils konkret festgelegt, die Frage der Weitergabe der Software stellte sich nicht.

Als im nächsten Schritt digitale Rechner in Kleinstserien hergestellt wurden, war Software eine im Kaufpreis enthaltene Beigabe. Auch hier verfügten die Nutzer in der Regel über den Quelltext, konnten die Software an ihre Bedürfnisse anpassen und den Rechner für jeden möglichen Zweck verwenden. Auch hier stellte sich die Frage der Weitergabe nicht.

Mit der zunehmenden Verbreitung der digitalen Rechner in größeren Serien und der Entwicklung von Programmiersprachen änderte sich dies. Ein Teil der Software wurde zu einer Ware, die unabhängig vom Rechnerkauf auf Datenträgern (Magnetspeichern) gehandelt wurde. Damit Software verkauft werden konnte, mußten einige Maßnahmen ergriffen werden, die die Rechte der Nutzer an der Software drastisch einschränkten: Der Quelltext der Software wurde nun nicht mehr weiter gegeben, die Veränderung der Software war damit drastisch behindert bzw. wurde durch die Lizenz, unter der die Software gehandelt wurde, verboten, auch das Kopieren war untersagt. Weitere Kopien der Software mußten gekauft werden.

Als Reaktion darauf entwickelte Richard M. Stallmann vor mehr als 30 Jahren eine Lizenz, geeignet war, die Rechte der Nutzter zu sichern: die General Public Licence (GPL). Für Software, die mit dieser Lizenz lizensiert wurde, wurde der Begriff Freie Software geprägt. Stallmans Anliegen war nicht, eine Lizenz zu entwickeln, die gut zu den Eigenschaften von Software paßt, er wollte die Freiheit und Selbstbestimmung der Nutzer zu sichern. Es ist ihm mit der von ihm erfundenen General Public Licence (GPL) aber eine Lizenz gelungen, die wirksam werden konnte, weil sie wichtige Eigenschaften von Software nutzt.

Die Eigenschaften von Software und Freie Software
Eine Software wird dann als Freie Software bezeichnet, wenn

  • die Nutzer die Software ohne Einschränkung nutzen dürfen.
    Dies ist möglich, weil es keine technischen Gründe gibt, die dies verhindern. Diese Freiheit ist allerdings bis heute umstritten, weil einige Entwickler nicht wollen, daß ihre Software für kriminelle oder z.B. militärische Zwecke genutzt wird. Eine derartige Nutzung ist aber technisch nicht zu verhindern;
  • die Nutzer die Software beliebig kopieren und (auch gegen Kosten) weiter geben dürfen.
    Diese Freiheit ist möglich, weil Software fast ohne Kosten vervielfältig werden kann. Die Kosten für die Entwicklung der Software verteilen sich bei Vervielfältigung über immer mehr Kopien: Hat die Entwicklung 100.000 € verschlungen und es werden 1.000.000 Kopien verteilt, sind die anteiligen Entwicklungskosten 10 Cent. Da Software durch Nutzung nicht verschleißt, ändert sich dieser Kostenanteil nicht. Nur eine verbesserte Version, läßt die Software veralten und letztlich unbrauchbar werden. Wirkung entfaltet diese Freiheit insbesondere, weil die Nutzung der kopierten Software möglich ist, ohne daß dadurch die Nutzung einer anderen Person, die über das Original oder eine Kopie der Software verfügt, behindert wird; Software ist, wie der Fachausdruck sagt, rivalitätsfrei nutzbar;
  • die Nutzer die Funktionsweise der Software studieren können.
    Das ist nur möglich, wenn sie den Quelltext der Software enthalten. Es gibt keinen in der Software liegenden technischen Grund, der dies verhindern würde. Software wird heute immer in einer für den Menschen lesbaren Sprache, dem Quelltext, erstellt. Durch die Bereitstellung des Quelltextes wird die Nutzung der Software durch andere Personen in keiner Weise beeinflußt. Der Nutzer kann aber anhand des Quelltextes überprüfen, ob die Software wie gewünscht arbeitet, er kann Fehler aufdecken, er kann, das ist in den letzten Jahren besonders wichtig geworden, Hintertüren finden, über die Unbefugte sich unberechtigt Zugang zum Rechner verschaffen können;
  • die Nutzer die Software verändern dürfen.
    Auch hierfür ist der Zugang zum Quelltext unerläßlich. Ohne diese Freiheit ist die Weiterentwicklung oder die Fehlerbereinigung drastisch behindert. Software wird weiter entwickelt, indem der Quelltext verändert wird. Der Rechner, auf dem sie ursprünglich entwickelt wurde, muß nicht zur Verfügung stehen. Durch den Quelltext der Software ist sie unabhängig vom ursprünglichen Entwicklungsrechner geworden.

Dies sind die vier Freiheiten, die Software zu Freier Software machen. Bei der GPL werden diese Freiheiten aber durch eine Verpflichtung eingeschränkt. Wenn ein Entwickler Software, die er verändert hat, weiter gibt, muß er dem Empfänger die genannten vier Freiheiten einräumen. Durch diese Einschränkung ist gesichert, daß unter der GPL lizensierte Software nicht zu unfreier Software werden kann.

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